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Dyl

Frischling

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1

21.02.2018, 16:37

Game Design studieren oder Alternativen (Ratschlag gesucht)

Hallo zusammen. Meine Frage lautet, ob ich Game Design studieren soll, wenn ja wo, oder welche anderen Studiengänge/Berufe für mich in Frage kämen.

Hintergrund ist, dass ich vor einigen Jahren darauf kam, dass ich gerne in der Entwicklung von Videospielen arbeiten will, aber eher im kreativen Bereich, also mir Geschichte und Charaktere ausdenken oder die Umgebung gestalten. Ich weiß, dass das alles unterschiedliche Sachen sind, aber bei meiner Recherche bin ich dann auf das Studium "Game Design" gestoßen. Habe dann aber herausgefunden, dass viele die Htw Berlin, die eigentlich meine Traum-Uni wäre, nicht empfehlen können und dass ohnehin kaum jemand tatsächlich in der Branche arbeitet, weil das nicht wirklich gefragt ist.

Soll heißen, ich mache mir Sorgen, dass mir das Studium nicht gefällt oder ich danach keine Arbeit finde.

Deswegen überlege ich auch, was denn Alternativen für mich wären. Programmieren kann ich kaum bzw. möchte ich nicht hauptsächlich machen. Daher würde ich Informatik oder Medieninformatik zB. schon ausschließen. Aber wenn ich generell Mediengestaltung oder irgendwas anderes in die Design-Richtung mache, habe ich ja nichts mit Videospielen zu tun, was eigentlich mein Wunsch ist.

Ich mache nächstes Jahr Abitur und weiß einfach nicht, was ich danach machen soll. Mir scheint, in der Videospiel-Branchen werden nur Programmierer gesucht. Soll ich mir dann also lieber was anderes suchen?

Ach und noch was: Finanziell sieht es schwierig aus. Also private Hochschulen wie zb. die Games Academy schließe ich auch aus.

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Dyl« (21.02.2018, 16:47)


KeksX

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2

21.02.2018, 18:27

Moin erstmal!

Zitat

Ich mache nächstes Jahr Abitur und weiß einfach nicht, was ich danach machen soll. Mir scheint, in der Videospiel-Branchen werden nur Programmierer gesucht. Soll ich mir dann also lieber was anderes suchen?


Das ist ein Irrtum. Programmierer sind natürlich extrem wichtig, aber an einem Spiel sind deutlich mehr Leute beteiligt. Ich verstehe nicht ganz wo die Idee herkommt, dass Game Designer nicht gefragt wären. Es ist einfach nur deutlich schwieriger, ein guter Game Designer zu werden als ein guter Programmierer. Schließlich gibt es für Programmierer seit Anno-Knack Lehrpläne, einen fundierten Lehrplan der sich nur um Game Design dreht existiert bis dato nicht. (Note: Damit will ich nicht sagen, dass es Programmierer insgesamt einfacher hätten. Es geht nur um die Lehrmöglichkeiten)

Wo wir schon beim Thema wären:
Derzeit lernt man Game Design überwiegend im Selbststudium. Auch das Studium an einer Einrichtung würde beinhalten, dass du dich viel selber damit beschäftigst und die Vorlesungen nur als ersten Schritt nutzt um dich in ein Thema zu vertiefen. Und in Projektarbeit würdest du dieses Wissen dann anwenden. Spiele zu entwickeln ist letztendlich immer noch der beste Weg, sich Game Design anzueignen.

Trotzdem ist ein Studium ratsam, da Projektarbeit betreut wird, und es oft direkten Kontakt in die Industrie bietet. Außerdem lernst du vieles drumherum: angefangen bei grundsätzlichen Mathematikkenntnissen bis hin zu Projektmanagement.
Da das Feld sehr neu ist, schwankt allerdings sowohl Quantität als auch Qualität des Angebots. Es gibt aber bereits einige brauchbare Studiengänge deren Absolventen es auch in die Branche schaffen, die HTW und die Hochschule Trier(https://www.hochschule-trier.de/index.php?id=6128) sind nur zwei die mir da jetzt spontan einfallen. Von der HTW Berlin hab ich sowohl positives als auch negatives gehört, ich würde aber lieber persönlich nachschauen und vor Ort zu Infoveranstaltungen gehen, ob Inhalte und Umfeld gefallen.
Der User LetsGo hat eine halbwegs aktuelle (ich weiß nicht, ob er sie noch pflegt) Übersicht hier: http://www.ixeption.de/studiengange-spieleentwicklung/

Du musst aber auch nicht dediziert Game Design studieren, wenn dir die Inhalte nicht gefallen oder du zu viel Angst hast, dass du am Ende als "Fachidiot" und ohne Job dastehst. Viele haben auch etwas anderes studiert und sich Game Design in ihrer Freizeit beigebracht. Das ist aber deutlich schwieriger und bei den Bewerbungen musst du schon einiges bieten um zu überzeugen, dass du wirklich alles draufhast.

Zum Thema private Einrichtungen: Ich bin nicht der Meinung, dass man sie so sehr verteufeln sollte wie es hier oft getan wird. Allerdings solltest du die Option am besten ausschlagen, wenn du jetzt schon schreibst dass es finanziell schwierig aussieht.
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NachoMan

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3

21.02.2018, 21:56

Die wichtigste Kompetenz beim Gamedesign ist, dass du dir kreativ Spielkonzepte ausdenken kannst, was du nicht wirklich lernen kannst. Dafür brauch man "nur" Ideen. Was du dafür lernen musst ist, was tatsächlich Spaß macht, was umsetzbar ist und wie aufwändig die Umsetzung ist. (falls ich das richtig verstanden habe)

Ich selbst bin vorallem Programmierer. Ein Programmierer allein kann nicht wirklich ein gutes Spiel entwickeln ohne massig Assets zu kaufen oder freie zu nutzen. Das heißt auch, dass du nicht alles genau so wie du es willst umsetzen kannst. Du brauchst nämlich auch eine (schöne)GUI, Sounds, Grafiken, Modelle, Texturen, Sprachaufnahmen etc.

Trotzdem würde ich dir empfehlen erstmal autodidaktisch Programmieren zu lernen. Denn das ist der einzige Weg selbstständig zu lernen wie man Spiele entwickelt. Ohne Programmierer läuft nämlich so gut wie garnichts und du wirst keinen finden der deine Ideen für dich umsetzt!(Außer du gewinnst im Lotto und kannst welche bezahlen)

Dann sehen deine Spiele zwar nicht schön aus. Aber du kannst rumprobieren, kriegst ein Gefühl für den Aufwand und die Umsetzbarkeit deiner Ideen.

edit: Du schreibt ja, dass du nicht hauptsächlich Programmieren willst. Ich will ausdrücken, dass es für mich das beste Werkzeug ist Gamedesign zu lernen. Ausserdem kannst du dann auch wesentlich besser mit den Programmierern in deinem Team kommunizieren.
"Der erste Trunk aus dem Becher der Erkenntnis macht einem zum Atheist, doch auf dem Grund des Bechers wartet Gott." - Werner Heisenberg
Biete Privatunterricht in Berlin und Online.
Kommt jemand mit Nach oMan?

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Schrompf

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4

22.02.2018, 07:49

Game Designer zu werden ist hauptsächlich deswegen so schwierig, weil die Games Academy und sonstige Einrichtungen jedes Jahr Hunderte davon ausbildet, die Games Branche in Deutschland aber nur ein bis zwei überhaupt gebrauchen kann. Lern programmieren. Dann kannst Du auch in der sonstigen IT arbeiten, was besser bezahlt wird und einen richtig heftigen Bedarf an guten Leuten hat. Die GamesBranche ist dagegen hoffnungslos. Ein paar kleine Studios, die dann größtenteils Programmierer und Grafiker brauchen. Der eine Game Designer, den die haben, ist schon seit Jahren dabei.

Und noch ein klassisches Missverständnis: Game Designer denken sich keine Spielkonzepte aus und lassen sich großartige Sachen einfallen. In den meisten Fällen arbeitet man mit einer bestehenden Franchise oder kriegt von Produzent, Publisher oder sonstwem die meisten Sachen schon vorgegeben.
Häuptling von Dreamworlds. Baut aktuell an nichts konkretem, weil das Vollzeitangestelltenverhältnis ihn fest im Griff hat. Baut daneben nur noch sehr selten an der Open Asset Import Library mit.

Tiles

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5

22.02.2018, 08:38

Zitat

Die Tätigkeit im Überblick
Gamedesigner/innen entwickeln und realisieren Konzepte für Computer-, Video- und Handyspiele.


Zumindest theoretisch. Aber ich gebe da Schrompf recht :)

Dazu kommt dass der Spielemarkt hoffnungslos überlaufen ist. Da warte ich eigentlich nur auf den grossen Knall.

Deswegen auch meine Empfehlung, such dir etwas das auf breiteren Füssen steht. Mediengestalter, Informatiker, Biologe, was immer dir am Besten liegt. Du kannst dich am Ende der Ausbildung dann immer noch Richtung Spiele orientieren. Oder du machst das einfach in der Freizeit. Du brauchst keine Lizenz dafür. Einfach Unity oder Unreal oder ein ähnliches Entwicklerset runterladen, und los gehts. Spieleentwickler ist der der Spiele entwickelt ;)
Free Game Graphics, Freeware Games https://www.reinerstilesets.de

KeksX

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6

22.02.2018, 12:31

Zitat

Und noch ein klassisches Missverständnis: Game Designer denken sich keine Spielkonzepte aus und lassen sich großartige Sachen einfallen. In den meisten Fällen arbeitet man mit einer bestehenden Franchise oder kriegt von Produzent, Publisher oder sonstwem die meisten Sachen schon vorgegeben.


Die Vorgaben sind oft aber einfach unfertige Sachen oder völlig wirre Ideen, die man erstmal zu einem handfesten Spielkonzept umformulieren muss. Wäre bereits alles klar würde man schließlich keinen Game Designer einstellen. Und in Indiebuden, von denen es in DE auch einige gibt, hat man doch etwas mehr Freiheiten.
Aber ansonsten stimmt das Sentiment: Viele möchte es machen - nur wenige können es machen.

Ganz so schwarz würde ich die Situation in DE aber dann auch nicht malen. Es gibt neue Firmen und Standorte in denen gesucht wird. Wenn man was aufm Kasten hat und es drauf ankommen lässt, kann man auch was finden. GamesJobsGermany listet jetzt gerade >15 offene Stellen im Bereich Game Design, Praktika bis Senior. Und wer weiß wie die Situation in 4~5 Jahren aussieht, wenn OP das Studium (voraussichtlich) abschließt.

Das heißt natürlich nicht, dass es eine sichere Sache ist. Aber wenn OP die nötige Leidenschaft und Kenntnisse mitbringt ist es möglich. Der Tipp mit dem Programmieren ist dennoch ein ziemlich guter. Technical Game Designer bzw. Game Designer, die ihre eigenen Prototypen entwickeln können, sind gerne gesehen.

OP sollte sich einfach mal die Stellenausschreibungen anschauen(http://gamesjobsgermany.de/), Anforderungen und Tätigkeiten ansehen und schauen ob es was ist. Dann einfach mal machen: Spiele entwickeln, ob digital oder analog, und ein Gefühl dafür bekommen. Ist ja noch ein wenig Zeit, bis OP sich endgültig entscheiden muss.

Also tl;dr: Es ist durchaus möglich, aber der Programmierung nochmal eine Chance zu geben ist in jedem Fall eine gute Idee. Fürs Game Design hilfreich und vielleicht eine echte Alternative, falls man doch lieber "was Richtiges" studieren möchte.
WIP Website: kevinheese.de

Dyl

Frischling

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7

22.02.2018, 17:56

Hallo nochmal und danke für all die kompetenten Antworten! Über Programmierung denke ich nochmal nach, will aber trotzdem fragen: Was für Optionen hätte ich denn, wenn ich doch eher in die künstlerische Richtung gehen will? Also kann man Storytelling, Character Design oder Concept Art so studieren? Wie gesagt finde ich das immer nur in Verbindung mit Game Design. Und gibt es bei Mediengestaltung z.B. überhaupt die Möglichkeit, in die Spielebranche zu kommen oder ist man dann grundsätzlich ganz woanders unterwegs? Also wenn ich mir wirklich sicher bin, dass Programmieren nichts für mich ist, was könnte ich stattdessen machen, was noch mit Spielen und Medien zu tun hat?

Schorsch

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8

22.02.2018, 18:02

Ein Bekannter von mir studiert Medien und Kommunikationsdesign. Bei denen an der FH gibt es nen Kurs zum Thema Gamedesign. Da versucht er möglichst viel drin unter zu bringen. Die dürfen die Kurse teilweise mehrfach belegen. Zusätzlich versucht er für seine anderen Projekte auch immer Spielbezogene Projekte umzusetzen. Die Sache ist aber dass er auch programmiert. Die Alternative wäre ansonsten andere Projekte umzusetzen. So könntest du möglicherweise Concept Arts zeichnen wenn die Kompetenzen zu dem jeweiligen Kurs passen. Vielleicht lässt sich ja auch ein Game Design Dokument irgendwie als Prüfung verkaufen. Das hängt am Ende eben von deinen jeweiligen Dozenten ab. Einen Job in der Branche kannst du damit an sich auch kriegen. Ich kenne das selbst Leute die das so gemacht haben. Wobei die fast alle wieder aus der Branche raus sind und entweder eigene Agenturen gegründet haben oder eben in anderen Agenturen angestellt sind.
Möglich ist erst mal alles. Am Ende kommt es halt auf dich und deine Kompetenzen an.
„Es ist doch so. Zwei und zwei macht irgendwas, und vier und vier macht irgendwas. Leider nicht dasselbe, dann wär's leicht.
Das ist aber auch schon höhere Mathematik.“

KeksX

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9

22.02.2018, 18:15

Was Schorsch sagt ist richtig. Kannst auch einfach "ganz normale" Sachen in Richtung Mediengestaltung oder Kommunikationsdesign studieren, oft auch mit Fachrichtung 3D Art/Animation oder zumindest digitalem Fokus. Und dann halt Game Design in der Freizeit lernen.
Bedenke aber dass Game Design halt schon was eigenes ist. Genau wie Game Designer nicht hauptsächlich programmieren, modellieren sie nicht. Sie animieren auch nicht und sind auch keine Concept/Character Artists. Das sind dann andere Disziplinen, die in Indiefirmen oft in einer Person gebündelt werden, aber das aus der Not heraus.

So wie es klingt bist du dir noch nicht so ganz sicher in welche Richtung du denn möchtest. Ich glaube das sinnvollste ist wirklich, du schiebst die Wahl des Studiums nochmal ein wenig und beschäftigst dich damit so gut es geht als Hobby; so sammelst du Erfahrung und weißt dann vielleicht mehr, wo die Reise für dich hingehen soll. Du hast ja zum Glück noch etwas Zeit.
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10

22.02.2018, 19:10

Hier mal ein interessanter Podcast mit einem Abschnitt zu "GameDev-Schulen" --> https://gamedevpodcast.de/02/#t=54:25.576

Auf Unis lässt sich das vielleicht auch übertragen. Ansonsten glaube ich, dass man im "künstlerischen" Bereich ziemlich kämpfen muss. Beim Programmieren muss man vielleicht kämpfen, um in die richtige Sparte zu kommen, aber einen Job hat man immer. Das ist beim künstlerischen Bereich anders. Da sind so viele mit Leidenschaft dabei, da muss man sich schon sehr "widmen", um ohne Probleme in Lohn und Brot zu stehen - und zwar "widmen" im Sinne von "alles nehmen, was man kriegen kann".

Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von »Chromanoid« (22.02.2018, 19:21)


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