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Frybird

Treue Seele

  • »Frybird« ist der Autor dieses Themas

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1

23.09.2014, 12:08

Eigenes Spiel über Verkaufsplattformen verkaufen - das leidige Thema : (

Zunächst einmal bitte ich vielmals um Entschuldigung das Thema schon wieder aufzurollen, einigen hängt es sicher schon zum Hals raus und es wurde hier auch schon durchgekaut und es gibt auch einen Wiki Eintrag hier, weiß ich alles.

...dennoch, so ganz blicke ich immernoch nicht durch.


Hintergrund:
Ich überlege ob ich ein aktuelles Projekt fertigstellen und als Freeware anbieten will oder ob ich es erweitern will und für 1-2 Euro verkaufen möchte.
Grundsätzlich erwarte ich keine hohen Gewinne und würde auch eher aus Neugier und als "Schadensersatz für zu kurze Nächte" Geld damit machen wollen.
Angestrebte Plattformen wären itch.io, Humble Store, eventuell Desura und Google Play Store, Direktverkaufen möchte ich nicht.
Das Verkaufen wäre erstmal eine einmalige Sache, zukünftige Projekte möchte ich dann doch lieber als Freeware online stellen, auch wenn ich da durchaus die Option von itch.io nutzen würde, Usern dort zu ermöglichen dafür was zu spenden.

Die Sache ist, ich bin nicht unbedingt erpicht darauf mir die Pflichten eines Gewerbescheins aufzubinden für etwas was vielleicht nur eine Einmalige Sache ist und voraussichtlich nicht allzuviel Geld einbringt.


Daher meine Fragen

1) Ist es mir möglich ein Spiel als Privatmann zu verkaufen ohne Gewerbeschein unter den gegebenen Voraussetzungen (= Verkauf rein über Drittanbieter und ohne besondere Aussicht auf regelmäßigen Gewinn in den Folgejahren?)
2) Wenn ja, wie müsste ich das Versteuern das ich dann auch einnehme?
3) Laut einigen der oben genannten Anbieter wird das Abrechnen von Umsatzsteuern von denen übernommen (Humble Store z.B., siehe https://support.humblebundle.com/hc/en-u…t-Developer-FAQ ), bei anderen vermutlich nicht. Was ist hier zu beachten?
4) Wenn ich nicht drumherum komme, lohnt es sich überhaupt ein Gewerbe anzumelden für etwas was vielleicht nur eine einmalige Verkaufsaktion ist die wahrscheinlich nicht viel abwirft?


Vor der Antwort, drei kleine Bitten:
1) Bitte keine Antworten a la "Mach erstmal dein Ding fertig bevor du über sowas nachdenkst", das ist keine echte Hilfe.
2) Bitte mit angeben, in wie weit man sich da auskennt bzw. selbst Erfahrung hat. Ich erwarte keine rechtsverbindlichen Antworten, würde aber gerne schon wissen in wieweit ich mich an euren Aussagen orientieren kann.
3) Bitte keine Antworten a la "Frag beim Finanzamt nach"...das ist sowieso der nächste Schritt, aber da ich denke das es einfacher ist hier den Sachverhalt zu beschreiben fange ich erstmal hier an.

2

23.09.2014, 14:30

4) Wenn ich nicht drumherum komme, lohnt es sich überhaupt ein Gewerbe anzumelden für etwas was vielleicht nur eine einmalige Verkaufsaktion ist die wahrscheinlich nicht viel abwirft?

Kommst stark drauf an, lässt sich nicht pauschal sagen.
Ich habe ein Kleingewerbe (allerdings nicht im IT-Bereich, sondern als Tontechnikerin, seit einem Jahr) und finde es vorteilhaft, denn
1. man hat damit die Möglichkeit, als Freier Mitarbeiter Rechnungen zu schreiben und auch ggeschäftsmäig aufzutreten, was die Jobchancen etwas erhöht. Nachteil: Man hat dann aber auch den Buchhaltungsaufwand an der Backe. Ich persönlich finde, der hält sich arg in Grenzen. Dieses Jahr zum ersten Mal Steuererklärung gemacht - eine EÜR reicht völlig, ist auch schnell ausgefüllt.
2. man kann vieles von der Steuer absetzen, z.B. Fachliteratur, Fortbildungskosten, größere Anschaffungen (professionelle Software, Hardware) bzw. kann deren Abnutzung abschreiben lassen.
3. Wenn du umsatzsteuerpflichtig bist, kannst du dir bei jedem Einkauf zu gewerblichen Zwecken (auch Arbeitskleidung, Büromaterial...) 19% Märchensteuer sparen. Ob sich das lohnt,lässt sich nicht pauschal sagen, hier helfen am besten Beispielrechnungen im Internet zum Verständnis weiter.

Zitat

3) Laut einigen der oben genannten Anbieter wird das Abrechnen von Umsatzsteuern von denen übernommen (Humble Store z.B., siehe https://support.humblebundle.com/hc/en-u…t-Developer-FAQ ), bei anderen vermutlich nicht. Was ist hier zu beachten?

Wenn du umsatzsteuerpflichtig bist (als Kleingewerbetreibender kannst du dich davon befreien lassen), musst du die noch nicht abgerechneten Umsatzsteuern aus den Einnahmen selbst abführen.
Wenn du nicht umsatzsteuerpflichtig bist, musst du das nicht. Allerdings verlierst du quasi 19% der Einnahmen in den Shops, die die Umsatzsteuer abführen.

Dieser Beitrag wurde bereits 4 mal editiert, zuletzt von »shelley« (23.09.2014, 14:42)


Toemsel

Treue Seele

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3

23.09.2014, 14:59

Weiß nicht wie es bei euch in Deutschland ist. In Österreich kann bis zu 4000€ unversteuert und ohne Gewerbeanmeldung eingenommen werden.

1) Ist es mir möglich ein Spiel als Privatmann zu verkaufen ohne Gewerbeschein unter den gegebenen Voraussetzungen (= Verkauf rein über Drittanbieter und ohne besondere Aussicht auf regelmäßigen Gewinn in den Folgejahren?)

Sollte das gleiche in Deutschland auch sein, bis zu 4000€ Privat. Kurz zur Aufklärung. Der Gewerbeschein benötigst du bei der Gründung eines Unternehmens. Zudem heist es nicht Gewerbeschein, sondern Gewerbeberechtigung.
Diese erhältst du nicht einfach so. Du benötigst einen Fach- oder Ausbildungsabschluss auf diesem Gebiet.


2) Wenn ja, wie müsste ich das Versteuern das ich dann auch einnehme?

Ich spreche jetzt wieder von Österreich. Alles unter 12000€ pro Jahr ist steuerfrei. Alles über 12000€ wird versteuert. Hierbei gibt es wieder Steuerklassen. (Je nach Einkommenshöhe)


3) Laut einigen der oben genannten Anbieter wird das Abrechnen von Umsatzsteuern von denen übernommen (Humble Store z.B., siehe https://support.humblebundle.com/hc/en-u…t-Developer-FAQ ), bei anderen vermutlich nicht. Was ist hier zu beachten?

Umsatzsteuer fallen erst an, wenn es sich nicht um ein Kleinunternehmen handeln sollte. (Alles > 30000€ pro Jahr ist kein Kleinunternehmen mehr)


4) Wenn ich nicht drumherum komme, lohnt es sich überhaupt ein Gewerbe anzumelden für etwas was vielleicht nur eine einmalige Verkaufsaktion ist die wahrscheinlich nicht viel abwirft?

Mein Tipp. Verkauf dein Spiel einfach mal. Die Wahrscheinlichkeit das du über Nacht 5000€ einnimmst ist sehr gering.
Sollte das Eintreten, kannst du immer noch ein Gewerbe anmelden. Ein Unternehmen zu leiten (Buchhaltung/Steuern/Versicherungen/etc) wirft viel Arbeit auf und verschlingt viel Nerven.
Ich würde dir davon definitiv abraten.

Schrompf

Alter Hase

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4

23.09.2014, 15:02

Man kann nach meinem Wissen zusätzlich zu einer lohnsteuerpflichtigen Beschäftigung ein bisschen was dazu verdienen, solange man es am Ende in der Steuererklärung angibt. Dafür gibt es aber sicherlich Grenzen, die Du aber besser vom Finanzamt erfragst. Meine Frau ist Ärztin und muss vereinzelt Gutachten über Patienten erstellen, die bezahlt werden - das sind bestenfalls 1000€ pro Jahr, die bisher ohne Gewerbe, Freiberuf o.ä. mit der Lohnsteuererklärung abgehandelt wurden. Dafür muss sie nachher natürlich zusätzliche Einkommenssteuer bezahlen.

Diese simple Abrechnung wird aber leider scheitern, sobald Du mit außereuropäischen Firmen arbeitest. Mehrwertsteuer führen die eh schon für Dich ab, damit kommst Du nicht in Berührung. Es gibt aber für jedes Land spezifische Regelungen zur Einkommenssteuer, deren Komplexität selbst meinen bezahlten Steuerexperten überfordert hat. Kann Dir anfangs erstmal egal sein, weil Du eh nur winzige Umsätze machst - da wird Dir sicher niemand einen Strick draus drehen. Aber rechtlich betrachtet ist das ne finstere Sache, die Du gar nicht korrekt abrechnen kannst, wenn Du keine Steuernummer hast.

Wenn Du Dich mit all dem nicht auseinandersetzen willst, rate ich Dir: mach's kostenlos. Könnte sich trotzdem lohnen, in die Plattformen reinzukommen, weil heutzutage quasi niemand mehr Installer runterlädt, aber den ganzen Geld-Teil würde ich auslassen. Das Reinkommen ist aber dann wieder ein anderes Thema: selbst Desura nimmt nicht jeden, Humble wird wahrscheinlich nichtmal EMails beantworten. itch.io nimmt jeden, glaube ich, Google PlayStore ist doch nur für Mobile, oder? Tja, das wirst Du besser wissen als ich.

@Toemsel: Vorsicht, Deutschland hat hier drastisch abweichende Zahlen. Steuerfrei sind hier nur Gesamteinkünfte unter 8k pro Jahr. Sobald Du arbeiten gehst, ist das quasi sofort raus. Die Grenze für Kleingewerbe liegt bei 17.500€. In Deutschland heißt das Ding wirklich Gewerbeschein, Du brauchst keine Eignung für irgendwas nachweisen.
Häuptling von Dreamworlds. Baut aktuell an nichts konkretem, weil das Vollzeitangestelltenverhältnis ihn fest im Griff hat. Baut daneben nur noch sehr selten an der Open Asset Import Library mit.

Toemsel

Treue Seele

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23.09.2014, 16:08

@Schrompf
Andere Länder andere Sitten :D Danke für die Inkenntnissetzung

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